21 Oktober 2008

 

Börsenregel 4: "Streuen Sie Ihr Risiko!"

Empfehlung oder Befehl?!

Ach - Sie meinen das hatten wir schon - letztes Mal beim "Markowitz"! Ja richtig! Meine Börsenregel Nr. 3 beinhaltet tatsächlich eine Risikostreuung - eine Risikostreuung in Anlehnung an die Portfoliotheorie des Nobelpreisträgers Harry M. Markowitz.

Und im Grunde genommen war da auch schon alles gesagt. Aber - nicht immer liegt in der Kürze die Würze. Ihnen könnte entgangen sein, dass ich "ein Markowitz ist nicht einfach eine lange Liste von Aktien" schrieb! Der Schwerpunkt von Regel 3 lag ja auch darin, dass Sie Ihr Risiko in verschiedene Kapitalanlageformen streuen sollten - Lebensversicherung(en) - Bundesschatzbrief(e) - Bausparvertrag (Bausparverträge) - ... - Aktien!

Ist es Ihnen aufgefallen? Haben Sie gemerkt, dass ich bei Aktien den Plural nicht in Klammern setzte? Das habe ich bewusst gemacht. Das ist der Inhalt von Regel 4! Streuen Sie Ihr Risiko in mehrere Aktienpakete! Nicht ein Aktienpaket - nicht zwei - nicht drei! Nein - mindestens vier sollten es sein - besser sechs - "höchstens" zehn!

"Ach ja - das ist schon die richtige Botschaft für Anfänger", sagen Sie vielleicht. "Ich bin aber ein fortgeschrittener Börsianer und zudem noch risikofreudig."

Soll ich Ihnen was sagen? Dann gilt Ihnen diese Regel erst recht!

OK! Einsteiger machen sehr oft den Fehler, dass sie Ihr Aktiendepot mit nur einem einzigen Aktienpaket "füllen". Irgendjemand hat ihnen ins Ohr geflüstert, dass die Aktien des Unternehmens XY ein todsicherer Tipp sind - der große Gewinn quasi auf der Straße liegt - und schwuppdiwupp landete ein Aktienpaket dieser AG im Depot. Dabei blieb es - eventuell kaufte man immer mal wieder einige dazu - natürlich nur Aktien dieses Unternehmens. Der große Gewinn hatte sich sowieso als "Ente" erwiesen ...

Ja - den ultimativen Aktientipp gibt es nach wie vor nicht und man kann wirklich froh und dankbar sein, wenn die Sache noch so gut ausgeht. Die Aktien der Firma XY könnten genauso gut eine Fehlspekulation gewesen sein. Dann ist das Geld futsch - Sie stinksauer - und möglicherweise sind Sie auch vom Aktionärsdasein für immer geheilt. Dabei waren Sie selber schuld. Sie hatten die Regel der Risikostreuung nicht beachtet! Kein seriöser Anlagenberater wird Ihnen die Empfehlung eines Ein-Aktienpaket-Depots geben - nicht einer!

Und was ist mit Ihnen - ich meine Sie - den fortgeschrittenen und risikofreudigen Spekulanten? Sie wollen doch Ihr Geld auch nicht verlieren?!
Gerade wenn Sie in hoch spekulative Werte investieren, sollten Sie Einige davon haben und den größeren Teil mit Blue-Chips besetzen! Sicher ist sicher!

Ach ja - da fällt mir gerade noch ein, dass es auch Börsianer gibt, die zwar die Risikostreuung beachten, aber dabei völlig falsch vorgehen! Das hört sich nun so an, als ob es ziemlich schwer ist, das Risiko zu streuen. Ist es aber nicht. Wir Menschen sind halt manchmal ein bisschen festgefahren - so auch hier.

Ein Beispiel: Sie sind ein Auto-"Fanatiker". Klar - in Ihrem Depot ist ein Aktienpaket einer Automobil AG. Und nun haben Sie eingesehen, dass Sie das Risiko streuen sollten. Was liegt also näher, als in weitere Aktienpakete Ihrer Automobilmarken-Favoriten zu investieren? Gedacht, getan - das Risiko ist so aber nicht gestreut!

Warum nicht? Weil Sie in nur eine Branche gestreut haben. Geht es genau dieser Branche als Ganzes schlecht, so geht es Ihrem ganzen Depotinhalt schlecht! Zurzeit ist dies ja bei einigen Branchen mehr als deutlich!

Wie sollen Sie dann Ihr Risiko streuen?
Die Antwort liegt wohl auf der Hand.

Kaufen Sie Aktienpakete unterschiedlicher Branchen und
eventuell auch unterschiedlicher Länder
(dabei aber das Währungsrisiko beachten!).

Zum Schluss noch ein paar Beispiel-Rechnungen - ausgehend von der gleichen Anlagesumme pro Aktienpaket:

Depot 1: Aktienpakt AB
Depot 2: Aktienpaket AB + Aktienpaket CD
Depot 3: Aktienpaket AB + Aktienpaket CD + Aktienpaket EF + Aktienpaket GH + Aktienpaket IJ + Aktienpaket KL

Gewinnrechnung: AB +30%, CD +20%, EF +20%, GH +30%, IJ +25%, KL +25%.

Verlustrechnung: AB -30%, CD +10%, EF +5%, GH -20%, IJ +25%, KL +20%.

Fazit:

Lieber das Risiko streuen und eventuell geringere Gewinne erzielen als ungestreut große Verluste einstecken!
Börsenregel Nr. 4 = wiederum keine Empfehlung sondern ein Befehl!

Fast hätte ich es vergessen:

Das Anlagekapital sollte dabei natürlich gleichmäßig auf die Aktienpakete verteilt sein!

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