28 Oktober 2008
Börsenregel 6: "Werden Sie nur dann Miteigentümer eines Unternehmens, wenn Sie es auch kennen!"
Nehmen wir einmal an, dass Sie gemeinschaftlich mit Ihrer Nachbarschaft einen Hächsler zur gemeinsamen Nutzung anschaffen möchten. Werden Sie da bei der Auswahl nicht ein Wörtchen mitreden wollen? Und werden Sie sich da nicht auch gründlich über die verschiedenen Produkte informieren? Und werden Sie nicht, wenn von den anderen ein Modell mit schlechten Tests oder wenig Leistung ausgewählt wurde, von einer Mitfinanzierung Abstand nehmen?
Da bin ich mir ganz sicher. Bestimmt werden Sie nicht sagen: "Macht nur - ich zahle!" Und ganz bestimmt werden Sie recherchieren, was es auf dem Markt für Geräte gibt, welche Vor- und Nachteile sie haben. Eventuell fragen Sie auch in der Verwandtschaft nach. Auch nach Tests werden Sie suchen und eine Beratung im Fachhandel in Anspruch nehmen.
Und wenn dann Ihre lieben Nachbarn darauf bestehen einen Hächsler mit 230 Volt zu kaufen - Sie aber mehr Leistung möchten - tja, dann werden Sie wohl von einer Kosten-Beteiligung absehen.
Ihr Baumschnitt besteht eben nicht nur aus 2,5 cm Ästchen und Sie wollen mit dem Hächsler auch die Gartenabfälle kleinschnitzeln ...
Da hilft es nicht, wenn die anderen sagen, dass dies auch mit dem 230-Volt-Gerät möglich ist. Sie haben in einem "privaten Test" gelesen, dass es da Probleme geben könnte und zudem hat Ihnen Ihr Onkel gesagt, dass er sich nur noch für ein Starkstromgerät entscheiden würde!
Soviel zu Ihrem Hächsler, Rasenmähertraktor oder was auch immer.
Und die Moral von der Geschicht?
Sagen Sie nicht zu Ihrem Anlageberater: "Ich verlasse mich da ganz auf sie!", oder zu Ihrem Arbeitskollegen: "Hast Du nicht einen Tipp für mich?"
Nein, Sie sind auf dem besten Wege Miteigentümer eines Unternehmens zu werden. Da besteht für Sie Informationspflicht, nicht einfach kaufen, weil der Name so schön klingt - oder weil Sie ein Urvertrauen in diese Firma haben, ohne zu wissen, woher es rührt!
Nehmen Sie das Unternehmen unter die Lupe! Recherchieren Sie im Internet und schauen Sie sich auf verschiedenen Seiten
- die Firmen-Übersicht,
- das Firmen-Porträt,
- die Kennzahlen,
- Analysen,
- Charts (Langzeit-Charts),
- Beurteilungen von Analysten,
- aktuelle Nachrichten ... an.
Labels: Aktien, Aktien AG, Börsenregeln, welche Aktien kaufen
24 Oktober 2008
Börsenregel 5: "Verlieben Sie sich nicht zu sehr in Ihre Aktienpakete!"
Wir kennen das. In Filmen wird es immer wieder thematisiert. Die Frau seiner Träume will ihn nicht verletzen und sagt zu ihm: "Du - lass uns einfach nur Freunde sein!" Auf gar keinen Fall soll Liebe mit ins Spiel kommen.
Natürlich sagt er: "Klar, sehe ich genauso - mir geht es auch nur um Freundschaft!" In ihm schreit aber - fast schon hörbar - die Hoffnung nach mehr.
Unter diesen Bedingungen ist eine "nur Freundschaft" einfach nicht möglich!
Genauso wenig kann man wohl die meisten Menschen mit einer Verpflichtung zum Zölibat hinter dem Ofen hervorlocken. Dafür sind wir einfach nicht geschaffen - weder das Weiblein - und schon gar nicht das Männlein!
Freundschaft ist nicht genug - das Zölibat nicht erstrebenswert - bleibt also nur die Liebe?
Als Aktionäre mit attraktiven Aktien kann es uns genauso gehen. Alles läuft gut. Zwischen unseren Wertpapieren und uns besteht eine Art Freundschaft.
Zudem sind wir stolz auf unsere Auserwählten und plötzlich sind es unsere Lieblinge. Aus ihnen werden Geliebte. Ein Eheversprechen folgt. "Nein - niemals - wirklich niemals werde ich mich von Euch trennen!"
Zu diesem Zeitpunkt ist es längst um uns geschehen. Aus der rosaroten Brille wird eine dunkelrote. Hoffnungslos verfallen in Liebe bleibt die Keuschheit auf der Strecke. Beim Tanz über das glatte Börsenparkett sind wir unseren Schätzen schutzlos ausgeliefert.
Und ob Sie's glauben oder nicht - es ist wie bei der Liebe zwischen Mann und Frau. Sie macht blind. Sämtliche Anzeichen dafür, dass man vielleicht doch noch mal in sich gehen sollte - die Beziehung analysieren sollte - werden in den Wind geschlagen. Eine Trennung kommt nicht infrage!
Der tolle Aktien-Charakter outet sich bei Kurseinbrüchen als egozentrische Aktien-Verhaltensweise. Macht nichts, das liegt in der derzeitigen Krisensituation begründet. Das gibt sich wieder. Danach geht's wieder aufwärts. Die Treue ist derzeit das wichtigste Gebot - der Rest wird schön geredet.
Dabei wäre es gar nicht so schwer eine Trennung zu vollziehen. Niemandem muss man in die Augen schauen - kein Herz brechen - einfach nur verkaufen ...
Dies gilt auch im großen Stil. Wenn alle Werte eines Depots ihre Liebe aufkündigen. Warum sollte man sich dann wie ein Stalker benehmen? Das ist doch ätzend - das gehört sich doch nicht!
Hören Sie also auf Ihre Aktien, wenn sie sagen: "Lass uns einfach nur Freunde sein!"
Da fällt mir: Es gibt ja ein moderneres Wort für das, was ich sagen möchte - Lebensabschnittspartner!
Labels: Aktien, Börsenregeln
21 Oktober 2008
Börsenregel 4: "Streuen Sie Ihr Risiko!"
Ach - Sie meinen das hatten wir schon - letztes Mal beim "Markowitz"! Ja richtig! Meine Börsenregel Nr. 3 beinhaltet tatsächlich eine Risikostreuung - eine Risikostreuung in Anlehnung an die Portfoliotheorie des Nobelpreisträgers Harry M. Markowitz.
Und im Grunde genommen war da auch schon alles gesagt. Aber - nicht immer liegt in der Kürze die Würze. Ihnen könnte entgangen sein, dass ich "ein Markowitz ist nicht einfach eine lange Liste von Aktien" schrieb! Der Schwerpunkt von Regel 3 lag ja auch darin, dass Sie Ihr Risiko in verschiedene Kapitalanlageformen streuen sollten - Lebensversicherung(en) - Bundesschatzbrief(e) - Bausparvertrag (Bausparverträge) - ... - Aktien!
Ist es Ihnen aufgefallen? Haben Sie gemerkt, dass ich bei Aktien den Plural nicht in Klammern setzte? Das habe ich bewusst gemacht. Das ist der Inhalt von Regel 4! Streuen Sie Ihr Risiko in mehrere Aktienpakete! Nicht ein Aktienpaket - nicht zwei - nicht drei! Nein - mindestens vier sollten es sein - besser sechs - "höchstens" zehn!
"Ach ja - das ist schon die richtige Botschaft für Anfänger", sagen Sie vielleicht. "Ich bin aber ein fortgeschrittener Börsianer und zudem noch risikofreudig."
Soll ich Ihnen was sagen? Dann gilt Ihnen diese Regel erst recht!
OK! Einsteiger machen sehr oft den Fehler, dass sie Ihr Aktiendepot mit nur einem einzigen Aktienpaket "füllen". Irgendjemand hat ihnen ins Ohr geflüstert, dass die Aktien des Unternehmens XY ein todsicherer Tipp sind - der große Gewinn quasi auf der Straße liegt - und schwuppdiwupp landete ein Aktienpaket dieser AG im Depot. Dabei blieb es - eventuell kaufte man immer mal wieder einige dazu - natürlich nur Aktien dieses Unternehmens. Der große Gewinn hatte sich sowieso als "Ente" erwiesen ...
Ja - den ultimativen Aktientipp gibt es nach wie vor nicht und man kann wirklich froh und dankbar sein, wenn die Sache noch so gut ausgeht. Die Aktien der Firma XY könnten genauso gut eine Fehlspekulation gewesen sein. Dann ist das Geld futsch - Sie stinksauer - und möglicherweise sind Sie auch vom Aktionärsdasein für immer geheilt. Dabei waren Sie selber schuld. Sie hatten die Regel der Risikostreuung nicht beachtet! Kein seriöser Anlagenberater wird Ihnen die Empfehlung eines Ein-Aktienpaket-Depots geben - nicht einer!
Und was ist mit Ihnen - ich meine Sie - den fortgeschrittenen und risikofreudigen Spekulanten? Sie wollen doch Ihr Geld auch nicht verlieren?!
Gerade wenn Sie in hoch spekulative Werte investieren, sollten Sie Einige davon haben und den größeren Teil mit Blue-Chips besetzen! Sicher ist sicher!
Ach ja - da fällt mir gerade noch ein, dass es auch Börsianer gibt, die zwar die Risikostreuung beachten, aber dabei völlig falsch vorgehen! Das hört sich nun so an, als ob es ziemlich schwer ist, das Risiko zu streuen. Ist es aber nicht. Wir Menschen sind halt manchmal ein bisschen festgefahren - so auch hier.
Ein Beispiel: Sie sind ein Auto-"Fanatiker". Klar - in Ihrem Depot ist ein Aktienpaket einer Automobil AG. Und nun haben Sie eingesehen, dass Sie das Risiko streuen sollten. Was liegt also näher, als in weitere Aktienpakete Ihrer Automobilmarken-Favoriten zu investieren? Gedacht, getan - das Risiko ist so aber nicht gestreut!
Warum nicht? Weil Sie in nur eine Branche gestreut haben. Geht es genau dieser Branche als Ganzes schlecht, so geht es Ihrem ganzen Depotinhalt schlecht! Zurzeit ist dies ja bei einigen Branchen mehr als deutlich!
Wie sollen Sie dann Ihr Risiko streuen?
Die Antwort liegt wohl auf der Hand.
eventuell auch unterschiedlicher Länder
(dabei aber das Währungsrisiko beachten!).
Zum Schluss noch ein paar Beispiel-Rechnungen - ausgehend von der gleichen Anlagesumme pro Aktienpaket:
Depot 1: Aktienpakt AB
Depot 2: Aktienpaket AB + Aktienpaket CD
Depot 3: Aktienpaket AB + Aktienpaket CD + Aktienpaket EF + Aktienpaket GH + Aktienpaket IJ + Aktienpaket KL
Gewinnrechnung: AB +30%, CD +20%, EF +20%, GH +30%, IJ +25%, KL +25%.
- Depot 1: +30%
- Depot 2: +25%
- Depot 3: +25%
Verlustrechnung: AB -30%, CD +10%, EF +5%, GH -20%, IJ +25%, KL +20%.
- Depot 1: -30%
- Depot 2: -10%
- Depot 3: +2%
Fazit:
Börsenregel Nr. 4 = wiederum keine Empfehlung sondern ein Befehl!
Fast hätte ich es vergessen:
Labels: Aktien, Börsenregeln, Risikostreuung
17 Oktober 2008
Börsenregel 3: "Investieren Sie Ihr Kapital nicht nur in Aktien!"
Der Nobelpreisträger Harry Max Markowitz entwickelte eine Anlagestrategie, die soweit möglich ernst genommen und auf Kapitalanlagen angewendet werden sollte. Folgende Punkte erachte ich dabei für besonders wichtig:
- die Streuung des Risikos,
- die Chance auf Gewinne,
- die Beachtung von möglichen Entwicklungen
- und das Zurechtschneiden auf individuelle Erfordernisse.
Was hat nun die Börsenregel mit Herrn Markowitz zu tun? Oder: Was soll denn ein "Markowitz" sein?
Ehrlich gesagt überlege ich schon eine ganze Weile, wie ich das besondere Depot nach Markowitz nennen soll. Mir fällt da einfach nichts ein. Und deshalb nenne ich das Ganze zu Ehren von Herrn Markowitz nicht Depot, sondern "Markowitz".
OK! Aber was ist nun das ganz Besondere des "Markowitz", auf das ich im Zusammenhang mit der Börsenregel zu sprechen kommen möchte?
Wenn ich Sie also ermutige, ein "Markowitz" zu eröffnen, dann möchte ich Ihnen damit nahelegen, Ihr Kapital nicht nur in Aktien anzulegen. Streuen Sie Ihr Kapital - streuen Sie Ihr Risiko auch auf diese Art und Weise - beachten Sie Ihre Planungen und Wünsche für die Zukunft - stellen Sie Ihr Depot ganz individuell auf sich ein. Das ist dann in etwa eine optimale Kapitalanlage!
Und was beinhaltet dann ein "Markowitz"?
Nicht nur Aktien, sondern eben auch andere Anlageformen. Am Besten stellen Sie vielleicht gleich Ihren derzeitigen "Markowitz" zusammen:
- Haben Sie Aktien - sie gehören dazu!
- Ebenso Ihre Fonds!
- Auch der Bausparvertrag!
- Und die Lebensversicherung!
- Und Münzen, Immobilien, Grundstücke, Bundesschatzbriefe, Tagesgeld, Sparbuch, ...!
Sie haben recht. Für Otto Normalverdiener ist es fast unmöglich.
Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass ich Sie mit meiner Liste gar nicht so sehr entmutigt habe.
Das andere Argument ist schon schwerwiegender.
Tja - warum sollte man - wenn man schon nicht so viel Geld anlegen kann - den sicheren Gewinn durch diese Splittung verkleinern? Die Antwort kennen Sie bereits. Weil der Aktien-Gewinn nie so sicher ist, wie man sich das erträumt. Wenn Sie mit Verlust verkaufen müssen, dann werden andere Träume und Planungen zerplatzen!
Eines sollten Sie aber auf gar keinen Fall tun, nämlich nur in ein Aktienpaket anlegen (siehe Aussage weiter oben). Dann wäre nämlich das Risiko überhaupt nicht gestreut!
Labels: Aktien, Börse, Börsenregeln, Depot, Kapitalanlage
14 Oktober 2008
Börsenregel 2: "Spekulieren Sie NIEMALS mit Brauch-Geld!"
Vergangene Woche rutschte mir das Herz immer weiter in die Hose. Täglich ging es mit der Börse bergab - stetig - unaufhaltsam - ohne einen Endpunkt zu signalisieren.
Dann kam das Wochenende mit seinen Krisenbewältigungsmaßnahmen und Bankenrettungspaketen.
Und gestern? Gestern kam es an der Börse zu einem Kursfeuerwerk. Die Hoffnung lebte wieder auf. Ob dies nun allerdings schon der Beginn des ersehnten Aufwärtstrends ist, wird sich zeigen.
Sicher ist aber, dass die aufkeimende Hoffnung Früchte tragen wird.
Bei der vorausgegangenen Panik waren die Früchte die, dass Wertpapiere in Massen verkauft wurden. Man wollte retten, was noch zu retten war.
Nun wird sich - zumindest so nach und nach - das Blatt wieder wenden. Jetzt liegt wieder der Geruch des schnellen Geldes in der Luft und Top-Tipps werden die Runde machen.
Ich kann gut verstehen, dass gerade nicht sehr betuchte Menschen diese Witterung aufnehmen, ihr Ohr den Top-Tipp-Flüsterungen zuneigen und beginnen, an ihr Glück zu glauben. Warum sollten sie denn nicht todsichere Gewinne mitnehmen?
Allerdings gibt es da ein kleines Problem - die Kohle - das Geld - die finanziellen Mittel. Sind gar keine da, steht man plötzlich in der Gefahr, einen Kredit aufzunehmen.
Das sollte auf gar keinen Fall getan werden!
Aber es gibt auch Menschen, die für irgendeine Anschaffung, die kurzfristig getätigt werden muss, Geld zur Seite gelegt haben. Warum also die verbleibende Zeit nicht dazu nutzen, satte Gewinne abzuschöpfen? Wenn, dann sollte man doch jetzt kaufen? Nächste Woche ist es eventuell schon zu spät - der Zug der großen Renditen abgefahren! Und überhaupt - warum sollten nur die Großaktionäre noch reicher werden? Ich / wir können das Geld viel besser gebrauchen!
Lassen Sie die Finger davon - befolgen Sie die oben genannte Börsenregel. Niemand von uns kann im Voraus sagen, ob Ihre Rechnung aufgeht. Sicher - manche hatten Glück - haben gewonnen - die anderen Male, als sie verloren, verschweigen sie natürlich!
Spekulieren Sie deshalb NIEMALS mit Brauch-Geld! Dabei ist es auch völlig egal, ob Sie dieses Geld kurzfristig wieder benötigen oder einfach nur anderswo für irgendetwas brauchen. Sobald Sie für Spekulationen irgendwelches "BRAUCH-GELD" antasten müssen, sollten / müssen Sie die Finger davon lassen! Es steht in den Sternen, zu welchem Kurs Sie die Wertpapiere am Tag X verkaufen können!
Fazit:
Falls Sie dabei verlieren die Börsenregel aus dem Blickfeld,
werden Sie zahlen das Lehrgeld!
Labels: Börse, Börsenregeln, Geld, Spekulation, spekulieren, Trend
10 Oktober 2008
Börsenregel 1: "Spekulieren Sie NIEMALS auf Kredit!"
Ich höre zwei Stimmen - Stimmgruppen. Die einen sagen enttäuscht: "Herr Molzahn - das ist doch ein alter Hut. Das wissen wir doch. Das ist doch bekannt. Das ist der 1. Lehrsatz des Börseneinmaleins. Kein Mensch macht so etwas!"
Schön wäre es - womit wir bei den anderen Stimmen angekommen sind. Diese lachen ziemlich höhnisch, überheblich, winken ab und sagen kopfschüttelnd: "Wir wären ja blöd, wenn wir für diesen Top-Performer keinen Kredit aufnehmen würden. Das ist eine todsichere Aktie. In kürzester Zeit haben wir ein Vielfaches an Gewinn. Dann werden ein paar verkauft, der Kredit abbezahlt und wenig später sind wir reich - vermögend - wenn nicht gar Millionäre!
Ich habe tatsächlich beides erlebt:
- Arbeitskollegen, die sich eisern an den Börsen-Befehl "Spekuliere NIEMALS auf Kredit" gehalten haben und
- andere, die dafür nur Hohn und Spott übrig hatten.
- Und dann gab es noch eine dritte Gruppe, nämlich all jene, die lange lange Zeit standhaft blieben und dann doch noch - gerade rechtzeitig vor den großen Verlusten von 2002 - diesen Befehl über Bord warfen. Am Schluss waren Sie dabei - bei den doppelt und dreifachen Verlusten meine ich!
Lassen Sie mich zum Schluss noch das Gefährliche der Missachtung dieses Gesetzes / Gebotes ein wenig skizzieren:
- Sie nehmen Geld auf und müssen dafür Zinsen bezahlen!
- Diese Zinsen mindern den erstrebten Gewinn!
- Das verleitet dazu, in hochspekulative Aktien anzulegen!
- Bei Zocker-Aktien brechen die Kurse gerne gewaltig ein!
- In kürzester Zeit schwinden dadurch die Sicherheiten bei der Bank - in Bankerdeutsch: Der kreditfähige Wert der Aktien sinkt!
- Die Bank wird weitere Sicherheiten verlangen!
- Falls die verlangten Sicherheiten nicht aus anderer Quelle gegeben werden können, wird ein Teil der Aktien zwangsverkauft!
- Diese zwangsverkauften Aktien werden mit großem Verlust verkauft!
WICHTIG:
Labels: Börse, Börsenregeln, Kredit
07 Oktober 2008
Die Aufgabe von Börsenregeln
In meinen letzten zwei Posts bin ich jeweils auf eine Börsenregel zu sprechen gekommen. Sie erinnern sich - da war von
- "Der Trend ist Dein Freund!" und
- "Bewahre in turbulenten Phasen die Ruhe!"
Na ja - beides sind Regeln, die im Moment sehr schwer zu interpretieren sind. Ist der derzeitige Trend wirklich noch ein Freund und kann man in dieser mehr als turbulenten Phase noch die Ruhe bewahren?
Im Fernsehen wurde von verschiedenen Seiten her dazu aufgefordert, aufgrund der Bankenkrise nicht die Sparkonten zu plündern. Das hätte fürchterliche Folgen. Davon bin ich überzeugt!
Genauso überzeugt bin ich aber auch davon, dass Panikverkäufe von Aktien auch nicht spurlos am Börsengeschehen vorbeigehen!
In der Presse wurde vergangene Woche von Warren Buffet berichtet. Er - als einer der erfolgreichsten Investoren der Welt - rät zum Einstieg und ging mit gutem Beispiel voran. Sollen wir es ihm gleichtun? ...
In nächster Zeit möchte ich über weitere Börsenregeln / Anlageregeln schreiben und sie ein wenig kommentieren. Heute beginne ich allerdings damit, ein paar grundlegende Gedanken zu Börsenregeln zu äußern.
Man kann es nicht oft genug sagen. Ob beim Zusammenleben innerhalb der Familie, ob als Bevölkerung eines Staates, ob als Glieder in der Weltgemeinschaft - der Mensch, die Menschheit benötigt Regeln!
Natürlich gilt dies nicht nur für ein gesellschaftliches und völkisches Miteinander, sondern auch auf anderen Gebieten. Bauern haben ihre Berufs-Regeln - die Bauernregeln - für die Benutzung von verschiedenen öffentlichen Angeboten gibt es Regeln - oft als Ordnungen deklariert - in Bayern gibt es Weißwurst-Essens-Regeln - von der Bestellzahl über Weißbier, Brez'n, Senf und Sauerkraut - ...
Dabei muss man natürlich oft unterscheiden, ob diese Regeln nun Gesetze oder Empfehlungen darstellen. Gesetze sind oft Regeln ohne Ausnahme, die es "strengstens" zu befolgen gilt - Empfehlungen sollte man gründlich überdenken und eine Entscheidung treffen - normalerweise im Sinne der Regel, aber Ausnahmen können eine Regel auch bestätigen!
Und die Börsenregeln - was genau verbirgt sich hinter ihnen?
Wir Menschen sind in manchen Situation sonderbar gestrickt. Da hat man sich über Jahrzehnte eine Regel eingeprägt - hinter der man steht - die man für gut erachtet - die man auf alle Fälle befolgen möchte - die eigentlich ein persönliches Gesetz geworden ist - und plötzlich tritt eine Lebens-Situation ein, die einen diese Regel innerhalb weniger Stunden über den Haufen werfen lässt. Andere - und ich hoffe, dass diese die Mehrheit bilden, erfahren in solchen Lagen, dass ihre Regel ihnen hilft, die Situation gemäß der Regel zu meistern. Was wäre aber, wenn das Regelwerk nicht vorhanden gewesen wäre? Ich bin überzeugt, dass wir ohne Regeln viel schneller falsche Entscheidungen treffen.
Deshalb vergleiche ich Regeln sehr gerne mit "Gehhilfen". Auch - oder gerade - lebenserfahrene Menschen benötigen im täglichen Leben oft eine Gehhilfe. Gut - diese mag ihnen so manches Mal lästig sein, aber sicherlich überwiegt doch die Dankbarkeit, dass es so etwas überhaupt gibt. Der alternde Mensch bekommt damit eine Hilfe an die Hand, die er ganz bestimmt, insbesondere in schwierigen Situationen zu schätzen weiß.
Börsenregeln sind für mich die Gehhilfen auf dem ar...glatten Börsenparkett. Börsianer haben Gesetzmäßigkeiten, die sie beobachtet oder analysiert haben, in knappe Formeln gepackt. Dabei geht es nicht nur um Dinge, die jeder sieht, nein, sehr oft werden hier komplizierte und umfassende Zusammenhänge in einfache Worte gefasst.
Und wie sollten wir nun mit diesen Gehhilfen umgehen?
- Machen Sie für sich einige von ihnen zu Gesetzen!
- Erklären Sie andere zu goldenen Grundregeln!
- Viele von ihnen sollten für Sie sehr gute Empfehlungen und nützliche Tipps sein!
- Stellen Sie auch mal Regel-Kombinationen zusammen!
- Beachten Sie auf alle Fälle ihren bewahrenden Charakter!
- Trennen Sie die Spreu vom Weizen - oder: Es gibt auch weniger sinnvolle Regeln!
Eine Börsenweisheit sagt nämlich zu Recht: "Der Markt hat immer recht."
Labels: Aktien, Aktionär, Börse, Börsenregeln, Trend
03 Oktober 2008
Rettet die Kleinanleger!
Als ich noch ein Kind war, liebte ich es, wenn an Beerdigungen das Lied "Ich hat einen Kameraden, einen bessren findst du nicht ..." voller Emotionen vorgetragen wurde. Das klang immer so überzeugend. Es bewegte mich, dass hier Menschen darunter litten, einen wirklichen Freund verloren zu haben.
Als Kleinanleger habe ich den Eindruck, dass dieses Lied in den Börsen-Top-Ten seit Jahren Platz 1 einnimmt. Ein Kleinanleger-Kamerad nach dem anderen stirbt dahin - nicht wirklich - nein er / sie verlassen das Börsenparkett und wenden sich anderen Anlagemöglichkeiten zu. Den anderen wird immer mulmiger zumute und es ist nur eine Frage der Zeit bis auch sie ihren Aktien lebe wohl sagen. Irgendwann wird niemand mehr dem Kleinanleger den Begräbnis-Hit singen - die Gattung ist ausgestorben.
Ich möchte heute vier Gründe für diese Tendenz nennen:
Grund 1: Jugendliche haben keinen Bock auf Aktien!
In meinem Aktien-Buch habe ich schon darauf hingewiesen, dass niemand sich so leicht mit Aktien ein Vermögen ansparen kann wie Jugendliche. Aber - sie beißen nicht an. Sparen ist out - und Aktien kaufen erst recht! Zu dieser Haltung trägt sicherlich die Job-Unsicherheit einen gewaltigen Teil bei!
Eins meiner Kinder hatte schon in der Ausbildungszeit damit begonnen, Kapital anzusparen. Nach Abschluss der Lehre verlor es seinen Arbeitsplatz - das Ersparte war nun im Weg - genauer gesagt: Mein Kind wurde von Vater Staat fürs Sparen bestraft - das Geld musste weg! ...
Grund 2: Kleinanleger verlassen das sinkende Schiff!
Darüber habe ich schon gesprochen. Und ganz ehrlich - auch hier empfinde ich so, dass unsere Regierung mit der Abgeltungssteuer ihr Schärflein dazu beitragen wird. Die Spekulationsfrist wird abgeschafft - man will bei Gewinnen sofort mit verdienen.
Einen anderen Gedanken möchte ich noch ansprechen. Auch wenn ich nur Kleinanleger anspreche, so summieren sich doch viele Kleinlager zu Großanlegern. Und da ist es doch gar nicht so abwegig, wenn die abspringenden Kleinanleger selbst am Sinken des Schiffes nicht ganz unbeteiligt sind!
Meines Wissens nach muss ein Schiff einen gewissen Tiefgang haben. Ansonsten sinkt es. Dafür werden bei einer Fahrt ohne Ladung die Ballasttanks geflutet. Natürlich sind Kleinanleger kein Ballast - aber auch sie geben dem Börsengeschehen Tiefgang. Ohne diesen Tiefgang / die Aktionäre (auch die Kleinaktionäre) sinkt das Börsenschiff!
Grund 3: Neueinsteiger haben kein Interesse an Börsen-Schulung!
Ja - trotz allem - es gibt auch Interessierte, die ins "Aktien"-Geschäft einsteigen möchten. Das macht Hoffnung! Hört man sie aber reden, dann wird einem schnell bewusst, wohin die Reise geht. Gestern waren sie noch mit Sparbuchzinsen zufrieden - heute sind sie schon Börsen-Profis, die sich über sicherheitsbewusste Kleinanleger lustig machen, mit Börsen-Fremdwörtern um sich schmeißen und einzig in Wertpapiere mit dreistelligen Renditen investieren!
Das große Spiel darf also von vorne beginnen. Sie haben nichts, aber auch gar nichts aus der jüngsten Vergangenheit gelernt. Irgendwann platzt dann wieder die Blase - die Enttäuschung hat noch mehr Anhänger - eine Anlage in Aktien wird noch unwahrscheinlicher.
Warum setzen sich solche Leute nicht einfach einmal auf ihren Hosenboden und investieren ein wenig in die grundlegenden Dinge des Börsengeschehens? Stattdessen saugen sie nur die Botschaften der Experten mit den hochspekulativen Angeboten auf.
Da lobe ich mir ein älteres Ehepaar, das mit um Rat fragte. Beide knappe 60 Jahre alt wollen Sie noch in Aktien anlegen - aber vorher sich eingehend mit der Materie beschäftigen.
Es gibt so viele Aktien-Einsteiger-Ratgeber. Warum investiert man nicht einfach einmal ein bisschen Geld und schult sich, bevor man große Reden schwingt!
Grund 4: Regeln waren schon immer doof - Börsenregeln dann natürlich auch!
Es ist leider so. Regeln sind unbeliebt. Außerdem gibt es ja auch keine Regel ohne Ausnahme - also stehe ich wieder vor der Frage, was die Regel der Regel ist.
Nun - eine Regel besagt, dass man in turbulenten Phasen Ruhe bewahren soll! Die Ausnahme der Regel besagt für die meisten Anleger: Gerate in Panik und verkaufe!
Wohl gemerkt - so extrem ich auch formuliert habe - "Gerate in Panik und verkaufe!" ist die Ausnahme - nicht die Regel! Aber im Moment lautet die Ausnahme "Bewahre in turbulenten Phasen die Ruhe!"
Ehrlich gesagt geht es bei diesem Handeln überhaupt nicht um Regeln. Die Masse rennt dahin - aus Sicherheitsgründen folge ich, denn bei der Masse ist ein sicheres Zuhause. Wirklich?!
Es gibt sicherlich gute Gründe, die Ruhe nicht zu bewahren. Wenn ich zum Beispiel nur hochspekulative Aktien im Depot habe, dann darf ich ruhig nervös werden und zu retten versuchen, was noch zu retten ist!
Zum Schluss noch ein paar ganz persönliche Auf- und nicht Nachrufe:
Liebe Jugendliche! Bitte denkt - trotz aller Widrigkeiten im unsicheren Berufsleben - auch an Eure Altersvorsorge. Mit einem geringen Einsatzkapital lässt sich in 40 Jahren ein gewaltiges Sümmchen ansparen.
Liebe scheidende Kleinanleger! Lasst Euch nicht zur Panik verleiten. Mit unnötigen Verkäufen sägt Ihr - um nochmals ein anderes Bild zu verwenden - den Ast ab, auf dem Ihr sitzt!
Liebe Neueinsteiger! Belegt eine Börsen-Grundausbildung und absolviert eventuell noch eine Weiterbildung. Fallt um Himmels willen nicht auf die "ganz großen Gewinne" herein.
Liebe Kameraden! Im Leben geht es nicht ohne Regeln - auch nicht im Börsen-Leben. Haltet Euch an diese Hilfen. Definiert genau, welches die Regel und was die Ausnahme ist. Und falls Ihr Euch einmal für eine Ausnahme entscheidet, dann solltet Ihr gute Gründe dafür haben!
Labels: Aktien, Aktionär, Börse, Börsenregeln, Einsteiger, Kleinanleger, Ratgeber
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